Digitaler Minimalismus & Social Media Pause: Was ich in 3 Monaten ohne soziale Medien gelernt habe - ein Erfahrungsbericht

 

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Minimalismus ist eine Lebenseinstellung und Mindset. Es geht viel mehr als nur um die Zahl der (wenigen) Dinge, die man besitzt, oder wie clean weiß und ordentlich deine 4 Wände sind.

Es geht darum, bewusst nur die „Dinge“ in dein Leben zu lassen, die es bereichern und dich glücklich und zu einem besseren Menschen machen. Und eben genau diese „Dinge“ herauszufinden ist ein langwieriger Prozess, denn Menschen ändern sich nunmal fortwährend und so auch die Dinge, die uns glücklich machen.

Social Media war, wenn ich mich recht erinnere, noch nie eine wirkliche Bereicherung in meinem Leben. Klar, ich habe viele tolle Menschen gerade durch Instagram kennengelernt die nun meine Freunde sind. Und diesen Aspekt der sozialen Medien möchte ich nicht missen! Denn darum soll es bei Social Media doch gehen, oder? Um „Soziales“? Um das wiederfinden alter Freunde? Um zu sehen, was die Sandkasten-Freundin jetzt so treibt?

Jein.

Alles, was wir in den sozialen Medien sehen, wird durch ausgeklügelte Algorithmen bestimmt. Und diese sind (und das auf JEDER Plattform) darauf ausgelegt, dass wir so viel Zeit wie nur möglich auf dieser Plattform verbringen. Und viele Werbeanzeigen sehen. Und im besten Fall etwas kaufen. Wie so oft im Leben steht auch bei Social Media leider der Kapitalismus ganz oben und soll uns zum Kaufen und Geldausgeben animieren.

Ein weiterer Punkt, der mich persönlich (als hochsensiblen Menschen) in den sozialen Medien immer sehr überfordert, ist die alltägliche Reizüberflutung.

Klar, auch hier kann man manövrieren indem man gewissen Accounts entfolgt, Benachrichtigungen abstellt und so weiter. Aber auch, wenn man nur wenigen ausgewählten Accounts folgt, deren Inhalte einen Mehrwert für dich bieten, bekommt man auch vieles angezeigt, von denen die jeweilige Plattform (beziehungsweise dessen Algorithmus) meint es müsse dich interessieren.

Deswegen habe ich mich in diesem Jahr kurz nach Ostern spontan dazu entschieden eine Social Media Pause einzulegen.

Für mehr Minimalismus im Kopf.

Für mehr Klarheit in meinen Gedanken.

Und vorallem um wieder mehr zu kreieren statt zu konsumieren.

Nachfolgend meine Erfahrungen aus den insgesamt fast 3 Monaten und was du daraus für dich und dein Verhältnis zu den sozialen Medien lernen kannst.

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Wie kam es zur Social Media Pause?


Die Entscheidung diese Instagram-Pause einzulegen kam relativ spontan. Ich hatte meine Küche gestrichen (uralter Stuckputz, der 3 Schichten Farbe brauchte bis das Blau von frischem Weiß überdeckt war) und hatte währenddessen schlichtweg keine Zeit für Social Media Postings oder Stories. Und dieses “einfach im echten Leben leben und im Moment”-Sein, ohne dauernd etwas davon teilen zu „müssen“ tat mir ziemlich gut. Für konstantes Likes-Checken und Zahlen-Vergleichen hatte ich keine Zeit und hab somit auch meinen Kopf nicht damit belastet. Also dachte ich mir „Was soll's?!“ und nahm mir vor, Instagram zu meiden. Erst brachte ich mich noch ein paar Tage in der Community ein und kommentierte bei Blogger-Kolleginnen, und schließlich habe ich die App überhaupt nicht mehr geöffnet.


Die ersten Tage


Man glaubt es kaum, was man für ein Suchtverhalten mit so scheinbar banalen Dingen wie Social Media an den Tag legen kann.

Ohne hinzusehen findet mein Daumen die App auf meinem Handy. Immer mal wieder habe ich mich dabei erwischt, wie ich fast sehnsüchtig auf das bunte Camera-Icon mit den abgerundeten Ecken starrte. Tatsächlich musste ich mich am Anfang meiner Social Media Pause immer wieder daran erinnern, dass es nur zu meinem Besten war, und dass ich wohl nichts verpassen würde. Um dir hier zu helfen könntest du z.B. solche Apps auf einen Bildschirm weiter weg oder in einen Ordner verschieben oder sie sogar komplett von deinem Smartphone löschen (keine Sorge, deine Account-Daten bleiben erhalten), aber mit sowas kann ich mich nicht austricksen und überhaupt wollte ich es auch so schaffen.

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Wie auch bei anderen Süchten üblich, hab ich mir schnell einen Ersatz gesucht. YouTube zählt nicht zu Social Media, oder? Ist ja eigentlich nichts anderes als fernzusehen.

Schnell konnte ich aufgezeichnet durch meine App „Quality Time“ sehen, dass zwar zuerst meine allgemeine Handynutzung durch den Verzicht von Instagram stark zurückgegangen war, dann aber durch die Nutzung von YouTube fast 1:1 ersetzt wurde. Ich hatte also mein achtloses Scrollen durch Instagram-Feeds mit dem Anschauen von zahlreichen YouTube Videos ersetzt. Das fand ich schon ziemlich alarmierend!

Auf der anderen Seite habe ich wirklich viele spannende Dinge bei YouTube gelernt, die mein Leben tatsächlich bereichern. Dennoch habe ich in dieser Zeit wieder Inhalte von anderen konsumiert statt selbst kreativ zu sein, und gerade das wollte ich ja vermeiden.

Ab und zu musste ich trotz Instagram-Pause den Kanal von @foodsharinghamm betreuen, verbrachte dabei aber nur die wirklich nötige Zeit auf der Plattform, um über unser monatliches Treffen zu posten. Selbst dabei fiel mir auf, dass sofort das Vergleichen mit anderen Accounts wieder in meinem Kopf losging. „Die posten immer so tolle Sachen“ „Ich sollte mir auch mehr Zeit für unseren Account nehmen, dann erfahren schneller noch mehr Menschen von uns“ und so weiter.



Aus einem Monat wurden zwei…


Die Zeit verging, und der Drang danach „nachzusehen was die anderen so machen“ wurde immer geringer. Anfangs hatte ich eine Pause von einem Monat ins Auge gefasst, woraus dann letzten Endes fast 3 Monate ohne Social Media bzw. Instagram im Speziellen wurden. Immer wenn ich mir einen Tag überlegte, an welchem ich meine Pause beenden wollte, kam etwas dazwischen. Und damit meine ich mich selbst. Sofort spürte ich den Druck ansteigen, was nach einer so langen Zeit wohl von Wert für meine Follower sein würde. Und überhaupt, sind sie noch da? Hat man mich vergessen? Sieht mein Comeback überhaupt irgendwer oder straft mich der Algorithmus ab bis zum Sanktnimmerleinstag?

Also beschloss ich, meinen Wiedereintritt in die Welt der bunten Bilder und Hashtags noch so lange zu verschieben, bis ich genug Abstand hätte. Damit ich aus Liebe und Freude an der Sache daran teilhaben kann und nicht aus Angst vor Follower-Verlust und dem In-Vergessenheit-Geraten.


Durch viel Zeit im richtigen Leben und vorallem der Natur kam auch nach und nach endlich mein kreatives Mojo zurück. Wenn ich den Gedanken hatte „das wäre eine coole Instagram Story“ versuchte ich mir zu überlegen, wie man diese Informationen in einen Artikel für meinen Blog umwandeln könnte, von dem viele Menschen über lange Zeit noch profitieren können.

Denn das ist auch eins der Probleme, die ich mit sozialen Medien wie Instagram und Co. habe: All die Inhalte die für diese Plattformen erstellt werden sind Eintagsfliegen. Gut, manche „halten“ ein bisschen länger als einen Tag. Aber nehmen wir mal an, du suchst eine ganz bestimmte Information von mir. Ist es da nicht einfacher, die Suchleiste auf meiner Seite oder Ecosia danach zu fragen um direkt zum entsprechenden Artikel zu gelangen, statt durch meinen Instagram-Feed zu scrollen oder stundenlang Story-Highlights zu durchsuchen?

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Die Zeit danach: Wiedereingliederung?


An dem Tag, an dem es dann endlich soweit sein sollte und ich nach so langer Zeit mein erstes Lebenszeichen auf Instagram von mir geben sollte, war ich bereits nach wenigen Minuten auf der Plattform überfordert.

Letzten Endes wirken viele unbeantwortete Direktnachrichten, rote Kreise und aufploppende Zahlen genauso stressend wie wichtige E-Mails oder Rechnungen auf mich. So kam es also, dass ich nur einen kleines “Hallo mir geht’s gut!” in die Instawelt geschickt habe und schon nach nur einem weiterem Post “vergessen” habe, mich regelmäßig dort blicken zu lassen. Es zieht mich einfach nicht mehr so recht zurück dorthin und ich vertraue meiner Intuition, dass das wohl für mich der beste Weg ist.

Wer weiß, vielleicht wäre ich besser aufgehoben gewesen, in einer Welt ohne ständige Erreichbarkeit und Pseudo-Vernetztheit?


Fazit


Abschließend lässt sich sagen, dass ich immer noch keinen für mich gesunden und nachhaltigen Weg gefunden habe, schnelllebige soziale Medien wie Instagram in mein Leben zu integrieren. Ich halte dich auf dem Laufenden, wenn ich einen gefunden habe.

Eins steht jedenfalls fest: Die Welt dreht sich weiter. Man “verpasst” nichts, was man nicht auch auf anderen Wegen erfahren könnte. Auch ohne Instagram oder Facebook ist man erreichbar, wenn es dringend oder wichtig ist.

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Und ich habe gelernt, dass ich mich ohne die ständige Ablenkung einfach viel besser auf mich selbst konzentrieren kann. Was will ich tun? Wie will ich es tun? Und vorallem: Wann? Das konstante Umgebensein mit Gleichgesinnten aus der Nachhaltigkeits-Branche gibt einem zwar ein Gefühl der Gemeinschaft, dass ich ohne Social Media so sicher nicht hätte, bietet aber meinem leicht ablenkbaren Eichhörnchen-Gehirn massig Stoff zur täglichen Zerstreuung.


Wie integriest du die sozialen Medien in deinen Alltag, so dass sie dein Leben bereichern anstatt dich zu belasten?

Hast du deine Social Media Feeds schon mal “entrümpelt” oder auch direkt eine Art Fastenzeit eingelegt?

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